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Der König der Könige
~ Fortsetzung ~
Es dauerte ein paar Tage, bis ich mich soweit beruhigt hatte, dass ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte. Meine Quellen konnten mir leider nicht allzu viel über Azarbad den Großen berichten. Er war eine fast unbekannte Größe auf dem Opal.
Ich hatte mir eine Liste der Blockaden gemacht:
- Chthonische Horden: Barnabas der Blasse
(5 Siege - 4 Niederlagen)
- Die Erleuchteten: Vargas der Verrückte
(2 Siege - 4 Niederlagen)
- Der Fluch: Gretchen Goldfang
(5 Niederlagen)
- Flotte ihrer schuppig-charmanten Hoheit: Admiral Finius
(4 Niederlagen)
- Schwarzes Netz: Die Witwenkönigin
(3 Niederlagen)
- Hort des Eiswurms: Brynhild Schädelspalter
(2 Niederlagen)
- Das alles verzehrende Feuer: Azarbad der Große
(1 Sieg - 1 Niederlage)
Wenn man bedenkt, dass Brynhild Schädelspalter erst ein halbes Jahr nach der ersten durch einen Brigantenkönig ausgerufenen Blockade auf Opal gesichtet wurde, ist es verwunderlich, dass Azarbad so lange nicht in Erscheinung getreten ist. Erst zweimal hatte er seine Flagge in einen Angriff gegen eine Insel geführt. Im September letzten Jahres war er gegen die Rosa Ferklz gescheitert und vor ein paar Wochen hatte er sich, interessanterweise ohne Gegenwehr, Edgars Wahl geholt. Dort residierte er nun.
Ich begab mich an Bord meines Schiffes und setzte Kurs auf Edgars Wahl. Meine Quellen hatten berichtet, dass der neue Gouverneur, kaum das er es sich auf Edgars gemütlich eingerichtet hatte, die Ladenmieten verdoppelt hatte. Der Unmut der Geschäftsleute war eine kleine Weile Gesprächsthema Nummer 1 gewesen. Aber inzwischen hatten sich die Händler wohl damit abgefunden.
Auf meiner Fahrt nach Edgars stellte ich fest, dass, je näher ich Edgars Wahl kam, der Schiffsverkehr immer mehr abnahm. Schon merkwürdig. Einzig eine Kriegsfregatte sah ich in der Ferne. Wie ich später erfuhr, war die Mannschaft auf dem Weg nach Atantis.
Auf Edgars angekommen machte ich einen Rundgang über die Insel, bevor ich mich in den Palast begab. Mal abgesehen von ein paar Piraten in der Kneipe, erschien die Insel menschenleer.
Im Palast machte ich mich auf die Suche nach dem Gouverneur, doch auch der Palast schien wie ausgestorben. Nur ein Schwertkampfmeister absolvierte in der Halle seine Übungen. Auf Nachfrage wies er mich darauf hin, dass Azarbad selten im Palast zu sehen sei. Ich solle es doch mal auf seinem Anwesen versuchen. So begab ich mich zu Dantes Göttlichem Refugium und klopfte ans Tor.
Einige Zeit passierte gar nichts, und ich wollte schon unverrichteter Dinge abziehen, als sich die Tür öffnete und ein orientalisch gewandeter Mann heraustrat.
„Was wollt Ihr?“ schnauzte er mich an.
„Mein Herr“, antwortete ich höflich und verbeugte mich. „ich ersuche um ein Gespräch mit seiner Majestät.“ Er setze bereits an mich zu unterbrechen, als ich schnell fortfuhr: „Ich komme von Barnabas dem Blassen.“ verbog ich die Wahrheit etwas und reichte ihm das Amulett, das ich vom König der Chthonischen Horden erhalten hatte, „Zeigt dies bitte eurem Herrn,“ bat ich ihn, „er wird es erkennen.“ Der Torwächter musterte erst mich und dann das Feuerherz, aber schließlich grummelte er: „Wartet hier!“ Er schloss die Tür hinter sich, und ich stand wieder allein vor dem Gebäude.
Es dauerte eine geraume Weile, bis sich die Tür wieder öffnete und der Wächter mich hereinbat. Offensichtlich hatte ihm sein Herr genaue Instruktionen gegeben, denn er behandelte mich nun mit einer Spur von Respekt.
Ich folgte ihm durch die Halle in einen prächtig eingerichteten Raum. Dort, an einem Schreibtisch über ein paar Unterlagen gebeugt, saß Azarbad der Große. Neben ihm standen ein paar seiner Gefolgsleute, die kurz aufschauten, als wir eintraten und der Torwächter mich ankündigte.

„Eure Majestät...“ begann ich, doch Azarbad hob eine Hand und bedeutete mir zu schweigen. Er beschäftigte sich weiter mit den Papieren und so hatten meine Knie Zeit sich zu beruhigen.
Keiner der Anwesenden nahm mich weiter zur Kenntnis. Alle hatten ihre volle Aufmerksamkeit wieder dem Gouverneur zugewandt. Nur ein Mann, der sich etwas im Hintergrund hielt, schien mich zu mustern. Irgendwie passte er nicht zu der Gruppe rund um den Brigantenkönig. Im Gegensatz zu den anderen Anwesenden war er eher griechisch als orientalisch gekleidet. Erst dachte ich, er wäre ein weiterer Wächter, aber eine seltsame Macht schien von ihm auszugehen.
Einen Augenblick später sah Azarbad auf und seine Blicke trafen meine. Seine roten Augen schienen direkt in mich hineinzusehen. Mit einer Handbewegung scheuchte er seine Gefolgsleute hinaus. Bis auf den Mann im Hintergrund verließen alle den Raum.
„Du kommst also von Barnabas?“ Seine Stimme war schneidend. Ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als er weiter sprach: „Er hat mir bereits von eurer Begegnung berichtet. Du scheinst ihn in einem schwachen Moment erwischt zu haben. Normalerweise hättest du das nicht überlebt.“ Er lächelte, aber es war kein nettes Lächeln und mein Herz folgte mal wieder der Schwerkraft.
„Der Klabauter möchte also einen Artikel über uns Brigantenkönige schreiben“ er zögerte einen Moment, „und schickt dafür seinen Volontär?“
Mein Herz rutschte noch ein Stückchen tiefer. Hätte ich doch lieber vorher mit Klabauter gesprochen, aber ich wollte das Interview ja unbedingt selber machen. Das hatte ich nun davon. Die Chance hatte ich wohl voll versemmelt. Er beobachtete mich.
„Majestät,“ antwortete ich, „ich habe die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen, schließlich möchte ich nicht ewig Volontär bleiben, und eine Chance wie diese ergibt sich vielleicht kein zweites Mal.“
„Dann nutze sie und stelle deine Fragen. Es könnten deine letzten sein.“ Er lehnte sich zurück und deutete auf einen der Stühle, die vor seinem Schreibtisch standen.
Ich nahm meinen Mut zusammen, zückte Papier und Feder, und setzte mich.
Fortsetzung folgt ....
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