Der König der Könige

Ihr verdammten Blödiane !! Ihr hattet die Insel doch fast im Sack. Kaum lässt man euch mal alleine was machen, versaubeutelt ihr alles!

Ich hatte es mir gerade unter einem Baum auf der Nordinsel von Accompong gemütlich gemacht, um die Folgen der Feier nach der erfolgreichen Verteidigung der Insel abklingen zu lassen, als mich diese Worte aus dem leichten Schlummer erwachen und aufhorchen ließen.

Vorsichtig spähte ich rüber zum Strand, um zu sehen, wer zu frühmorgendlicher Stunde seiner Wut die Zügel ließ. Dort stand eine kleine Gruppe von mageren, bleichen Gestalten. Sie schauten betreten zu Boden und ließen eine Strafpredigt über sich ergehen. Ab und zu hörte man ein leises „Aye Kapitän“. Mit dem Rücken zu mir stand ein hochgewachsener Mann, der wild gestikulierte. Mit einem „Geht mir aus den Augen!“ beendete er schließlich seine Tirade, und die Gescholtenen zogen sich in zwei Beiboote zurück und ruderten aufs Meer hinaus.

Der Kapitän drehte sich langsam um und das Mondlicht fiel auf sein bleiches, bärtiges Gesicht. Mir stockte der Atem. Das Gesicht kannte ich. Barnabas der Blasse! Einer der gefürchteten Brigantenkönige. Noch vor ein paar Monaten war Accompong die Heimstatt der Chthonischen Horden gewesen. Nun irrten sie auf dem Ozean herum und versuchten regelmäßig, die Insel zurückzuerobern.

Sichtlich enttäuscht wanderte der Kapitän der Abyssischen Geister den Stand entlang und murmelte vor sich hin. Ich konnte einzelne Wortfetzen aufschnappen. „.. Rache ..“, „.. kommen wieder..“, „.. verdammter ..

Mir zitterten die Knie, aber ich fasste mir ein Herz, trat hinter dem Baum hervor und näherte mich Barnabas: „Eure Majestät?“ sprach ich ihn an. Er fuhr herum. „Wer seid Ihr? Was wollt Ihr?“ herrschte er mich an.

Ich werde Helücht genannt“ antwortete ich, „und arbeite für den Klabauter, eine Piratenzeitung. Ich würde gerne …“. „Schweigt!“ fiel er mir ins Wort, „ich habe für die Presse nichts übrig. Sie verbreitet nur Lügen über uns.

Majestät“ wandte ich ein, „ist es dann nicht eine gute Gelegenheit einige Dinge zurechtzurücken? Ich schwöre bei meiner Ehre als Pirat und Reporter, dass ich Eure Worte wahrheitsgetreu wiedergeben werde.“

Er musterte mich. Ich konnte die Wut und Enttäuschung über die verlorengegangene Blockade immer noch in seinen Zügen sehen. Seine Hand lag auf seinem mächtigen Schwert, aber er machte keine Anstalten es zu ziehen. Er zögerte einen Moment. „Sprecht mit Azarbad“ riet er mir.

Das würde ich gerne tun,“ stimmte ich ihm zu, „aber ich fürchte, er wird mich nicht empfangen. Es sei denn …“. Ich verstummte, zu gewagt schien mir die Bitte zu sein, die mir auf der Zunge lag.

Er schien meine Gedanken zu erraten und für einen Sekundenbruchteil huschte ein verschmitzes Grinsen über sein Gesicht. „Ihr habt recht, kleiner Mann. Er würde Euch nicht empfangen.“ Er griff in seine Tasche und zog einen Gegenstand hervor.

Ihr seid mutig“. Er reichte mir ein kleines Amulett und fuhr fort „Zeigt das seinen Wachen und Ihr werdet vorgelassen. Aber jetzt lasst mich in Ruhe, bevor ich es mir anders überlege und Euch zum Teufel jage.“ sprach er, wandte sich um und ging schnellen Schrittes von dannen.

Verblüfft starrte ich auf das Amulett. Es war ein rotes Feuerherz. Eine der Trophäen, die Azarbad an siegreiche Gegner verteilte. Es pulsierte leicht im Mondlicht, viel langsamer als mein eigenes Herz, das mir abwechselnd in der Hose und im Hals schlug.

Meine Eintrittskarte für ein Interview mit Azarbad dem Großen.

Fortsetzung folgt ....